Weltpolitik in Reute


Gestern nachmittag auf unserem Hof: ein feenartiges Geschöpf, schlank, elegant und schön, landet auf einem Stück Eiche. Eine Riesenschlupfwespe, stattliche acht Zentimeter lang.
Mit ihren Fühlern untersucht sie das Holz. Vorsichtig – kann ein Insekt sich konzentrieren? – tastet sie sich voran.



Plötzlich setzt sie ihren Stachel genau zwischen Rinde und Holz an…


… und bohrt ihn langsam ins Holz. Der Stachel ist nur haarfein und liegt geschützt in einer Scheide, die sie nun elegant nach oben klappt.


Nun ist der Stachel ganz im Holz verschwunden. Wozu das Ganze? Klar, Sie ahnen es schon, sie will ein Ei ablegen. Aber jetzt kommt der Hammer: sie legt ihr Ei nicht irgendwo hin, sondern sie sucht dafür die Larve eines Bockkäfers. Das Ei legt sie aber nicht schön kuschelig neben die Larve, sondern in die Larve hinein. Und zwar so, dass die Larve dabei nicht stirbt, sondern als lebende Imbissbude fortbesteht und damit dem putzigen Schlupfwespenbaby den Arsch über den Winter rettet. Um zum Dank dafür bis zum Frühling Stück für Stück von innen aufgevespert zu werden. Unsäglich. Ich lehne das ab.

Andererseits: sind es nicht diese Bockkäfer, die diese riesigen Gänge in mein Holz fressen? Vielleicht sollte man doch mit der Schlupfwespe ins Gespräch kommen. Tja, das nennt man Politik.

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